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20 Jahre Black Blue Fighters Paderborn!

  • vor 5 Tagen
  • 17 Min. Lesezeit

20 Jahre Black Blue Fighters Paderborn!


Zu einer Zeit als ganz Fußball-Deutschland darüber diskutierte, ob die Nationalmannschaft, nach einer schallenden Niederlage gegen Italien, überhaupt in der Lage war die Vorrunde der heimische WM zu überstehen oder ob Lehmann oder Kahn der richtige Torwart für dieses Turnier war, trafen sich am 02.03.2006 eine paar junge fußballverrückte Heranwachsende in einer mittlerweile nicht mehr existenten Bad Wünnenberger Kneipe.


Doch nicht die Fußballnationalmannschaft war an diesem Abend Thema, sondern die gemeinsame Liebe zum regionalen Fußballclub, unserem SC Paderborn. Zu dieser Zeit fuhr man gemeinsam zu Spielen und hatte nebenher schon so einige Geschichten, wie den Aufstieg in die 2. Bundesliga 2005 oder den Wettskandal um Robert Hoyzer miterlebt.


An diesem Abend wurde unsere Gruppe gegründet, damals noch eher als Fanclub mit Ultraorientierung, als eine wirkliche Ultragruppierung. Dennoch wurde fortan unter unserem Namen „Black Blue Fighters“ gemeinsam als Gruppe aufgetreten. Schnell kamen neue Leute hinzu, ein Hauptbanner, Kleber und erste Doppelhalter wurden erstellt.


Unvergessliche Auswärtsfahrten wie nach Essen, Lippstadt oder Münster bleiben jedem wohl ein Leben lang in Erinnerung, aber auf der anderen Seite lernten wir die Schattenseiten der Fußballwelt schneller kennen als gedacht, denn bereits zu Beginn des Jahres 2007 kassierten wir die ersten zwei Stadionverbote.


Und auch wenn sich erste Gesichter bereits änderten und der sportliche Abstieg 2008 nicht wirklich Spaß machte, blühte unsere Gruppe zunächst regelrecht auf und sogar ein erster gemeinsamer Urlaub stand an.


Als ein Jahr später dann der direkte Wiederaufstieg in die 2. Liga folgte und wir bei unserem zweiten gemeinsamen Urlaub im Jahre 2009, den Ursprung unserer Freundschaft mit den Wild Boys aus Rapperswil setzen, sah auf den ersten Blick alles nach einer weiterhin rosigen Zukunft für unsere Gruppe aus.


Leider täuschte hier aber bereits der Schein, denn im Frühling 2009, war der Verlust des ‚Paderborn‘-Banners natürlich ein herber Schlag. Auf die Ammenmärchen und sonstigen ausgedachte Geschichten, die zu dieser Aktion im Internet existieren gehen wir hier nicht weiter ein. Unsere Antwort kam, auch wenn dies erst mehr als 10 Jahre später der Fall war.


Nun aber chronologisch weiter, denn in der Sommerpause zog sich unser damaliger Anführer eine schwere Knieverletzung zu (Kreisliga lässt grüßen). Dazu wurde eine weitere Führungsperson inaktiv, sodass unsere Gruppe im nächsten halben Jahr eher wie ein Rudel ohne Leitwolf als eine wirkliche Einheit auftrat.


Das so ein Zustand für eine Gruppe tödlich sein kann und nicht lange gut geht, liegt irgendwo auf der Hand. Daher raffte sich ein kleiner Teil an einem Freitagabend im Januar 2010 zusammen, ebenfalls in einer mittlerweile nicht mehr existierenden Kneipe, diesmal aber in Paderborn. Vieles wurde an diesem Freitagabend durchgesprochen, welche Fehler gemacht wurden und ob es überhaupt weitergehen kann. Wie? Das wussten wir rückblickend wohl selber nicht, aber da wo eigentlich kein Weg mehr war, war ein Wille, welcher die Gruppe letztlich weiterführen sollte. Zugegeben, der Wille wurde durch den zu sich genommenen Alkohol an diesem Abend noch etwas verstärkt, dennoch waren wir uns einig, dass wir als BBF zusammenwachsen und den Sportclub weiter lautstark unterstützen wollen.


Wir trennten uns von Leuten mit denen es keinen Sinn mehr hatte und orientierten uns daran, auf Leute zu setzen die auch bei Gegenwind loyal zur Gruppe stehen, um letztlich gemeinsam als Einheit zusammenzustehen. Bis zur Sommerpause fand sich dann ein neuer Gruppenkern zusammen, der so gesehen den ersten Generationenwechsel einläutete. Sinnbildlich dazu wurde in der Sommerpause ein neues großes Hauptbanner und eine neue Homepage erstellt, um uns optisch wie medial neu repräsentieren zu können.


Zwar startete die nächste Saison spielerisch eher verhalten, dennoch konnten wir uns als kleine Gruppe soweit hin stabilisieren, dass wir wieder bei jedem Spiel, wenn auch teilweise nur vereinzelt, auftreten konnten. Auch wenn es manchmal hart war zu dritt oder viert loszuziehen, festigten sich dadurch die Freundschaften umso mehr, denn man unternahm privat immer mehr miteinander. Zeitgleich wurde die Kneipe The Scene immer mehr zu unserem zu Hause, sodass trotz aller internen Nickligkeiten in der Fanszene, auch gruppenübergreifende Freundschaften entstanden.


Im neuen Jahr konnten wir dann auch endlich einen Besuch in Rapperswil realisieren. Mit einer Autobesatzung fuhr man freitags abends direkt nach Feierabend herunter in die Schweiz. Kurz nach Mitternacht angekommen, kam unser kleinster Mann dann noch spontan auf die Idee sich eine Glatze schneiden zu lassen. Legendär wurde die Story als der Akku nach ca. der Hälfte ausging und er mit halb Frisur, halb Glatze bis zum nächsten Morgen durch unser Nachbarland stolzierte. Sportlich konnte Rappi an diesem Wochenende den Ligaerhalt bei einem Auswärtsspiel in Ambri klar machen, sodass unser erster Besuch am Zürichsee rundum erfolgreich war.


Wir gewannen nun neue Gesichter hinzu, die unsere Gruppe auch lange Zeit prägen sollten. Auch wenn wir sportlich nur knapp über dem Strich standen, war eins gewiss: Wir waren nun wieder eine gefestigte Gruppe die anders als noch vor anderthalb Jahren frohen Mutes in die Zukunft schauen konnte.


Die Sommerpause nutzte die neue Gruppe dann auch für einen ersten gemeinsamen Urlaub. Parallel dazu wurden neue T-Shirts und Doppelhalter entworfen um auch optisch besser auftreten zu können.


Die Saison 2011-2012 hatte es dann wirklich in sich, nicht nur das unsere Jungs auf einmal spielerisch oben dran waren, die Spiele wurden regelrecht zu Feiertagen, ob am ersten Spieltag Auswärts in Rostock, in Dresden oder Frankfurt, bei Freitagabend-Heimspielen die darauf in der Scene endeten oder gar dem Pokalspiel gegen unseren damaligen Erzfeind Ahlen. Bei unserem zweiten Besuch in Rappi haben wir dann das Freundschaftsbanner übergeben und zur BBF internen Weihnachtsfeier lagen dann sogar noch passend neue Pullis unterm Weihnachtsbaum.


Dennoch hatte diese Saison einen etwas faden Beigeschmack, denn mehrfach geriet man mit der Staatsmacht aneinander. In Ahlen und Düsseldorf hagelte es ordentlich Pfeffer. Dem nicht genug durften einige dank nachtragender Düsseldorfer Polizisten wegen ‚Beleidigungen‘ tief in die Tasche greifen. Am drittletzten Spieltag, beim ersten Besuch unsere Freunde aus Rappi, eskalierte die Situation mit dem Sicherheitsdienst dann komplett, als diese unser Banner regelrecht abreißen wollten. Nach Ende des Spiels, als ein Paderborner beim zurückkehren in den Block stürzte, zückten Sicherheitsdienst und in der Nähe stehende Polizisten die Knüppel der Liebe und ordentlich Pfeffer, so fand man sich mitten im Polizeikessel Seite an Seite mit seinen Brüdern aus der Schweiz wieder - an einem Tag an dem wir eigentlich zusammen feiern wollten. Eine bis dato eigentlich phantastische Saison bekam dadurch leider einen sehr faden und unnötigen Beigeschmack.


Als die nächste Saison startete, waren wir zunächst frohen Mutes, doch Post aus Karlsruhe kam schnell, sodass bis November ca. 15 Stadionverbote ausgesprochen wurden. 5 davon richteten sich gegen aktive Mitglieder und eines gegen ein ehemaliges Mitglied unserer Gruppe. Erstmals kam es so in Paderborn zu einer eigenen kleinen Sektion Stadionverbot. Auch wenn wir zu derzeit wohl eine Szene von 50-70 Leuten waren, der übergreifende Zusammenhalt war da. Soli T-Shirts und auch ein Sek SV Banner wurde angefertigt. Zwar waren die SV‘s für uns als Gruppe ein harter Schlag, dem Zusammenhalt hat dies aber tatsächlich gut getan, denn der Fokus außerhalb der Spiele war stark genug, diese harte Zeit zu überstehen.


Spielerisch würgte sich unser SC nur so durch diese Saison, so dass diese Spielzeit eher arm an Highlights, ausgenommen wohl der 90er Jahre Karnevalstour nach Ingolstadt, war.


Die nächste Saison begann dann für unsere Gruppe zunächst mit guten Neuigkeiten, denn zwei der laufenden Stadionverbote konnten eingestellt werden. Spielerisch mühte der SC sich zunächst nach einem sportlichen Umbruch. Der Tiefpunkt war hier wohl das Pokal-Aus beim FC Saarbrücken, als zunächst Mannschaft und Fans aneinandergerieten und es dann auch noch außerhalb des Stadions zu Problemen mit der Polizei und den Gästen kam.


Gefolgt mit einem aufeinandertreffen auf den gegnerischen Fanbus beim Heimspiel gegen Ingolstadt verdoppelte sich die Anzahl an SV‘ler innerhalb weniger Wochen - zwei davon richteten sich auch gegen unsere Gruppe. Das traurigste Bild dieser Zeit, ergab sich dann auf einem Freitag in Lautern als mehr Leute außerhalb des Stadions zu Gast waren als im Stadion. Wenigstens überwinterte unser Verein mit 29 Punkten, sodass wir recht befreit in das neue Jahr gehen konnten. Ein Jahr das wohl unvergesslich werden sollte… .


Mit Beginn des Jahres 2014 lief ein weiteres SV aus, der Auswärtssieg in Köln hätte eigentlich für einen nahezu erfolgreichen Start ins neue Jahr gesorgt, hätte die Polizei in Köln an diesem Tag nicht grundlos Fans am Bahnhof die Weiterreise verwehrt. In München besuchte uns eine Autobesatzung aus Rapperswil, leider versauten uns die Münchener Staatsdiener diesen Besuch allerdings, indem Personen noch während des Spiels wegen angeblicher Beleidigungen still und heimlich festgenommen wurden.


Sportlich begann für den SC nun ein nicht geahnter Höhenflug und spätestens nach dem Auswärtssieg beim FSV Frankfurt realisierte jeder so langsam, dass wir in diesem Jahr um den Aufstieg mitspielten. Vier Spiele vor Schluss brachten wir an einer Brücke am äußeren Ring das Spruchband ‚Geschichte schreiben‘ an. Was lediglich als kleiner Push gedacht war, entwickelte sich mehr oder weniger zum Leitspruch der damaligen ‚Aufstiegswochen‘.


So ging es am letzten Spieltag gegen den VfR Aalen nun wirklich um den direkten Aufstieg. Parallel zum Aufstieg war es das letzte Spiel von Vereinslegende Markus Krösche, dem die wohl größte Choreo der Vereinsgeschichte über den gesamten Heimbereich gewidmet wurde. Das Spiel war dann wohl auch eines der spannendsten in der Vereinsgeschichte und als dann der lang, lang ersehnte Abpfiff kam, war natürlich Ekstase pur - wir waren in der ersten Liga!


Dieser Tag ging natürlich in die Geschichte ein, angefangen als der Partyzug des SC an der Scene angehalten wurde, die anschließende Begleitung mit feuriger Untermalung oder auch die Party am Rathaus führten zu einem unvergesslichen Tag. Auch wenn das Lied ‚Auf uns‘ von Andreas Bourani später zum WM-Song wurde, passte es an diesem Tag wie die Faust aufs Auge, als unsere Mannschaft Arm in Arm auf dem Podest stand. Anschließend klang dieser historische Tag in der Scene in den frühen Morgenstunden aus.


In den nächsten Tagen und Wochen realisierten wir nach und nach, was nun eigentlich auf uns zukommen wird. Klar war nicht nur für unsere Gruppe, sondern für die gesamte Fanszene das nun Aufgaben folgen werden an denen wir wachsen müssen. Gefühlt verbrachte man diesen Sommer an jedem Wochenende zusammen, egal ob es um Arbeitseinsätze, gemeinsame Aktivitäten wie Zelten oder Public Viewing bei WM-Spielen, der Besuch von Schützenfesten oder einfach zusammen Sport machen war. Gemeinsam schwor man sich auf die neue Saison ein.


Den lang ersehnten ersten Spieltag in der ersten Liga begrüßten wir als Fanszene dann mit einer Choreo die unserem Aufstiegsdatum, dem 11.5.2014 gewidmet war. Darüber hinaus liefen zwei Stadionverbote gegen unsere Gruppe aus, sodass wir diese zwei wieder im heimischen Block O begrüßen konnten.


Sahen die Medien uns zunächst als Absteiger Nr. 1 wirbelte der SCP die Liga durcheinander und war nach 4 Spieltagen auf einmal Tabellenführer. War das nicht schon Fiebertraum genug ging es nun als Tabellenführer zu den Bayern! Ein Moment für die Ewigkeit war dann definitiv, als 5.000 Paderborner in der roten Allianzarena „Spitzenreiter“ grölten.


Der SCP stand nach der Hinrunde urplötzlich auf Platz 10. Wahnsinn, wenn man zuvor überhaupt hoffte irgendwie mithalten zu können, sodass das Kalenderjahr 2014 wohl auch mit das erfolgreichste der Vereinsgeschichte war. Leider konnte die Mannschaft dieses Level in der Rückrunde nicht mehr halten, aber dennoch war das Abenteuer ‚1. Liga‘ einfach unbeschreiblich für uns.


Ein paar unschöne Momente gab es in diesem Jahr leider auch: Gegen Augsburg kam es für einen Haufen Paderborner in der Paderstadt zu einem aufeinandertreffen am Rathaus, das für uns nicht wirklich positiv ausging. Beim Heimspiel gegen Bremen schickte die Polizei ca. 200 Bremer Ultras direkt an der Scene vorbei. Nun ja, dass das nicht bei einem einfachen Vorbeigehen blieb, kann sich wohl jeder denken, aber dem nicht genug, verweigerte unsere Staatsmacht anschließend allen Personen die sich in der Kneipe befanden, die Teilnahme an unserem Spiel. Ohne Worte!


Nun ja, das Abenteuer erste Liga verließen wir, trotz des letzten Platzes, mit einem erhobenen Haupt, denn in vielen Jahren danach hätten die 31 Punkte wohl zu Platz 16 oder sogar 15 gereicht.


In die neue Spielserie ging man dann frohen Mutes und nahezu jeder war sich so selbstsicher, dass der SCP in diesem Jahr um die Meisterschaft mitspielen wird. Es wurde gar von einem ganz neuen SCP gesprochen. Was sich daraus entwickelte war wirklich ein anderer SCP, aber nicht im positiven Sinne, dazu aber später mehr.


Beim Pokalspiel in Lübeck hatten wir wohl einen der größten Schutzengel mit an Bord, als ein Mitglied unser Gruppe nicht aufpasste, die Straße überquerte und von einem Linienbus erfasst wurde. Das erstaunliche oder besser gesagt glückliche war, dass unser Mitglied in diesem Moment eigentlich unverletzt blieb, die Busscheibe aber komplett gesplittert war. Glas kann man ja ersetzen - wurde es auch. Vielen Dank an die Haftpflicht. Wie sagt man so schön: Besoffenen und kleinen Kindern passiert nix… passte mal wieder! (Bild, siehe unten)


Ein weiterer Schockmoment war dann auf der Rückfahrt von Union, als ein Mitglied von uns plötzlich einen Zuckerschock erlitt und wir in einer Vollsperrung noch eine Rettungsgasse bilden mussten - Oberkörperfrei wohl gemerkt. Gott sei Dank ging auch diese Geschichte glimpflich aus.


Die Saison lief sportlich dann so gar nicht nach Plan, was dann zum Wohl prominentesten Trainerwechsel Paderborns folgte - Stefan Effenberg kam an die Pader. Was zunächst erfolgreich begann, offenbarte das Paderborn der medialen Präsenz nicht gewachsen war: fehlende Trainerlizenz, schlechtes Benehmen im Trainingslager, das Rauswerfen der Vereinslegenden Saglik und Brückner. Gefühlt wurde jede Woche eine neue Sau durch die Domstadt getrieben.


Ausgerechnet nach unserer Jubiläumsfahrt in Karlsruhe wurde dieses Irrspiel beendet, trotz einer zuvor ausgesprochenen Jobgarantie. René Müller übernahm, konnte aber anders als 2013, den SCP nicht mehr von dem Abstieg bewahren. Das Versager-Banner hatte in dem Moment wirklich seine Berechtigung.


In diesem Jahr stand dann noch unser Jubiläum an, dass wir nach endlosen Stunden an Arbeit im Winter gegen Fürth mit einer Choreo feiern konnten. Kurz darauf fand unsere Party statt, die Bilanz waren 4 Krankenwagen Einsätze und eine kaputte Heckscheibe. Definitiv war diese Party eine harte Nummer.


Die nächsten unschönen Vorfälle ereigneten sich beim Gastspiel gegen den FSV Frankfurt, bei welchem unser Bus von Frankfurtern attackiert wurde, die Kleidung der Angreifer ließ aber offen, welchem Verein diese zugehörig waren. Beim letzten Spiel gegen Nürnberg stand man urplötzlich einer knappen dreistelligen Zahl von Schalkern gegenüber, was jedoch durch die Staatsmacht unterbunden werden konnte.


Nach Saisonende verabschiedete sich die alt ehrwürdige Scene in den Ruhestand. Viele gemeinsame und unvergessliche Momente die wir dort erlebten waren nun Geschichte und ja die ein oder anderen Tränen rollten an diesem Tage auch.


In der Sommerpause kam es dann noch zu einem gemeinsamen Urlaub am Ballermann, der dann mal wieder… nun ja, etwas schiefgelaufen ist. Nach einer Schlägerei mit Fürther Anhängern im Bierkönig, landeten einige von uns in der Zelle. Dass die Bildzeitung die Story dann bis ins letzte Ausschlachten musste und mehr Blödsinn als wirkliche Fakten lieferte, führte zu einem ungewollten medialen Aufsehen. Wir gehen auch hier nicht weiter drauf ein, da zu dieser Story sowieso schon mehr Schein als Sein erzählt wurde.


In die neue Saison ging der Sportclub zwar selbstbewusst, konnte aber sportlich weiter nicht überzeugen. Der Tiefpunkt war ein 0:6 in Lotte, als dann bei vielen Fans auch der letzte Geduldsfaden riss.


Dazu mussten wir in dieser Saison in Regensburg Zeuge davon werden, wie das einstige ‚Paderborn‘ Frontbanner zusammen mit einem alten Stoffschal von uns präsentiert wurde. Ein wirklich demütigender Tag.


Die sportliche Talfahrt konnte erst mit einem 2. Trainerwechsel gestoppt werden, dass kam aber zu spät und es kam zum 3. Abstieg in Folge. Doch als alle dachten das der SC Paderborn wahrscheinlich in niedrigen Ligen versinken und von der Bildfläche verschwinden würde, kam das schier unerwartete und 1860 ging nach ihrem 2. Liga Abstieg direkt in die 4. Liga durch… urplötzlich war der Sportclub gerettet.


Wir selbst hatten nach 5, 6 wirklich starken Jahren mit einigen Problemen zu kämpfen.


Zwar gründeten wir in dieser Serie unsere Jugendgruppe Ratio, da wir mittlerweile immer 4-6 Anwärter hatten. Dennoch sank die Aktivität deutlich. Die Motivation war nach drei Abstiegen in Folge auch im Keller und leider stiegen einige wichtige Köpfe aus.


Hier mussten wir uns neu erfinden und einen ähnlichen Verschlankungsprozess, wie schon zu Beginn der 2010er Jahre durchleben, der sich auch noch bis weit in die Folgesaison zog. In dieser konnte der SCP sich aber komplett umstrukturieren und spielte plötzlich wieder oben mit.


Als Gruppe würgten wir uns irgendwie durch. Doch gegen Ende der Saison bekamen wir neue Leute für Ratio hinzu, die einigen neuen Schwung in die Gruppe bringen konnten.


In Aalen kam es zu einem Aufeinandertreffen mit der heimischen Szene, dass für unsere Szene einige SV‘s mit sich zog. Hauptgruppe und Ratio blieben davon verschont, ehemalige Mitglieder waren hier aber dennoch betroffen. Aalen, ja Aalen. Wir hatten hier mal teilweise versucht eine Freundschaft mit der Schwarzen Elite aufzubauen, hatten uns besucht, doch unterm Strich passte es im Gesamten einfach nicht.


Sportlich schaffte es der SCP bereits vier Spieltage vor Schluss tatsächlich den Aufstieg. Wo man vor einem Jahr in Osnabrück ins nichts Blicke, waren wir auf einmal wieder zurück in der 2. Liga. Am letzten Spieltag bei Fortuna Köln wurde von der Polizei ein Zug mit rund 200 SCP Fans auf der Rückfahrt wegen angeblichem Wandalismus angehalten und festgesetzt. Das dies auch noch das verpassen der Aufstiegsparty bedeutete, kam noch oben drauf.


Aber nicht nur der SCP war sportlich gut drauf, auch der SC Rappi Jona drehte in diesem Jahr richtig auf. Neben dem Aufstieg zurück in die erste Liga konnte tatsächlich auch noch der Pokal gewonnen werden.


In der darauffolgenden Saison ging der Wahnsinn dann weiter und der SCP spielte plötzlich weiter oben mit. Stand man nach der Hinrunde auf einem guten 7. Platz, drehte der SCP in der Rückrunde vollkommen frei und hatte am letzten Spieltag die Chance in Dresden direkt aufzusteigen.


Zwar verlor man das Spiel, doch durch ein 2:2 von Union in Bochum stieg man in Dresden tatsächlich wieder in die erste Liga auf. Das was vor zwei, drei Jahren wohl niemand für möglich hielt, war auf einmal tatsächlich wahr geworden und die Gegner hießen fortan wieder Bayern, Dortmund oder Schalke.


Neben dem sportlichen Aufwind hatte auch unsere Gruppe wieder Aufwind und wir standen wieder stabil mit Ratio und BBF. Dazu konnten wir ab der neuen Saison erstmals einen Capo stellen. Diese begann dann nicht nur mit einem Auswärtsspiel in Leverkusen, wir feierten auch das 10-jährige Bestehen der Freundschaft mit den Wild Boys aus Rapperswil. Auch diese Party endete mal wieder wild.


Der Sportclub konnte aber in dieser Saison nicht wirklich mithalten und nur selten Ausrufezeichen setzen. Ein verrücktes 3:3 in Dortmund oder ein Sieg in Bremen waren hier sportliche Highlights. In der Rückrunde ging es dann zwar mit Fahrten nach Freiburg und Bayern noch gut los, doch dann kam uns ein kleiner Virus entgegen und Corona brachte den gesamten Spielplan durcheinander, sodass sogar ein Saisonabbruch zur Diskussion stand. Letztlich kam es dazu das die Saison zwar zu Ende gebracht wurde, aber der SCP wieder abstieg. Zum nun 7. Mal in Folge waren wir nun entweder sportlich auf- oder abgestiegen. Einfach krass, was rückblickend in diesen Jahren alles passiert ist.


Die darauf folgende ‚Corona-Saison‘ verbrachte man dann größtenteils außerhalb des Stadions und schaute die Spiele gemeinsam.


Viel passierte aufgrund der Pandemie dann auch nicht, jedoch konnte der SCP die Serie auf einem gesicherten 9. Platz beenden. Ein gesicherter Mittelfeldplatz, etwas was man bis dato gar nicht mehr in Paderborn kannte. Die Mannschaft wurde am letzten Spieltag aber noch von der aktiven Fanszene in Paderborn mit Beleuchtung in Empfang genommen. Steffen Baumgart verabschiedete sich auch zu dieser Zeit und wir bedankten uns für seine Verdienste als Trainer. Ja, das war zu der Zeit wohl nicht ganz so regelkonform, aber bei dem was Baumi alles erreicht hat, sei es uns mal nachgesehen… .


Unser 15 Jähriges Gruppenjubiläum fiel auch der Pandemie zum Opfer und wir konnten dies nur mit einem Banner im Stadion, allerdings ohne Zuschauer, offiziell feiern.


In der Saison 2021/22 konnte man zumindest teilweise wieder in die Stadien. Da Corona abebbte, stiegen auch die Möglichkeiten wieder zu Spielen zu gehen.


Die letzten Maßnahmen wurden im März zurückgenommen und das erste Spiel war das Auswärtsspiel in Regensburg.


Für das Spiel entschied man sich zuvor in die Stadt zu fahren, wo man auf die Heimische Szene treffen sollte. Nun ja, das Ergebnis wurde ja vielfach videographisch dokumentiert, daher gehen wir hier nicht mehr weiter drauf ein. Für jemand der das damalige Paderborn-Banner mit erstellt bzw. gemalt hatte oder damals in Regensburg mit dabei war, war das aber jedenfalls eine regelrechte Genugtuung.


Wenig später gastierten wir beim Auswärtsspiel in Hamburg, bei dem es ebenfalls noch nicht wieder richtig glatt laufen sollte. Nachdem das Spiel durch unsere Seite mit ein paar Rauchtöpfen eingeleitet wurde, machten es sich ein paar Dutzend Ordner und die Staatsmacht in der Halbzeit zur Aufgabe, sich einen unserer Jungs zu schnappen. Nach dem Vorwurf mit gefackelt zu haben, blieb die Wahl zwischen einem Hausverbot oder einem Besuch in der Zelle. Nachdem die Nachricht publik wurde, verließen wir geschlossen das Stadion und auch dieses Spiel endete somit noch nicht wie gewohnt.


In der sonstigen Rückrunde passierte aber nicht mehr viel nennenswertes. Der SCP beendete die Saison auf einem starken 7. Platz und hielt, welche eine Seltenheit schon wieder die Klasse.


Die Saison 22/23 gestaltete sich dann sportlich sehr ähnlich zur vorherigen, wir landeten auf einem sehr gut 5. Platz.


Auch das wir endlich wieder in die Stadien konnten und Normalität einkehrte war natürlich eine wunderbare Sache.


Einen faden Beigeschmack hatte das Auswärtsspiel in Braunschweig. Kurz vor unserem Eintreffen in Paderbon gab es ein Aufeinandertreffen von anderen SCP Fans mit Basketballfans aus Hagen. Als wir nichtsahnend kurze Zeit später eintrafen und uns auf den Weg in die Stadt machten wurden insgesamt 10 unser Leute aus Ratio und Hauptgruppe von der Polizei festgenommen. Bis die Bullen merkten, dass unsere Jungs die falschen sind verbrachten sie einige Stunden in der Zelle. Danke für nichts.


Erfreulicheres gab es in der Saison vom Zürichsee, denn Rappi qualifizierte sich für die CHL. Unvergesslich war da wohl die Reise nach Tampere mit anschließender Karaoke und Badespaß im Brunnen. Auch Bratislava war seine Reise wert, auch wenn kurzzeitig zwei Daumen eines Mitgliedes in einer Bar in Brand gesetzt wurden.


In der Sommerpause 2023 stand dann ein erneuter, wenn auch nur leichter Umbruch bei unserer Gruppe an. Das war kein Änderungsprozess wie bei den letzten beiden Umbrüchen, jedoch notwendig, um weiter auf einen aktiven Kern zu setzen.


Die Saison verlief sportlich ähnlich wie in den vergangenen Jahren. Am Ende wurde der SCP nach einer starken Serie Siebter. Auch wenn die Karten in jeder Saison neu gemischt werden, schaffte es der SCP immer wieder in der oberen Hälfte mitzuspielen, was nach der ganzen Vergangenheit nicht nur verblüffend ist, sondern auch irgendwo gut tut, auf so konstant starkem Level zu spielen.


Auch unsere Freunde vom Zürichsee qualifizierten sich erneut für die Champions League. Positives Highlight aus unserer Sicht war hier natürlich das Auswärtsspiel in Ostrava. Darüber hinaus konnte Rappi auch noch die Gruppenphase überstehen. Im Achtelfinale in Mannheim kam es zu einem aggressiven Verhalten der Polizei, das sowohl einen befreundeten Wild Boy als auch ein Mitglied unserer Gruppe traf.


Leider war das nicht der einzige negative Höhepunkt dieser Saison, denn beim Rückweg vom Auswärtsspiel in Braunschweig lieferte sich die BFE Niedersachsen eine derartige Entgleisung, die selbst in unserer Gruppengeschichte bis dato neu war. Denn das selbst Zivilpolizisten lautstark versuchen ihre ‚netten‘ Kollegen auf Polizeigewalt hinzuweisen, war auch für uns ein Novum.


Ansonsten war da noch das Krawall - Heimspiel gegen Rostock. Im Block nahmen wir - bis auf Pyrotechnik - davon gar nicht so viel wahr. Als wir beim Verlassen des Stadions aber nicht mehr einen einzigen Ordner oder Polizisten im Heimbereich sahen, ließ der Eindruck eines halbwegs friedlichen Abendspiels allerdings nach.


Hintergrund dieser Ausartung war wohl die geplante Ausgliederung von Fernsehrechten der DFL, durch eine geheime Abstimmung in einer Nacht und Nebelaktion. Von nun an machten es sich die aktiven Fanszenen Deutschlands zur Aufgabe, sich diesem Deal entschlossen entgegenzustellen.


Meist wurde mit Störaktionen wie dem Werfen von Geldtalern oder Tennisbällen das Spiel unterbrochen. Beim Heimspiel gegen Kiel stand das ganze Spiel sogar kurz vor dem Abbruch.


Dennoch ließ man sich nicht einschüchtern und ging als aktive Fanszene in die Offensive. Hier wurde Hand in Hand gearbeitet und bei der Mitgliederversammlung konnten drei wichtige Anträge der Fanszene durchgebracht werden - insbesondere das der SCP bei der erneut anstehenden Abstimmung gegen eine Ausgliederung stimmte.


Diese gab es aber nicht, denn die DFL lenkte ein und verwarf ihre Pläne. So manch eine deutschlandweite Zeitung berichtete darauf, dass wir mit der Mitgliederabstimmung einen entscheidenden Beitrag dazu beigetragen hätten - was die DFL natürlich sofort dementierte.


Die Saison 2024/25 startete dann auch direkt mit einem Highlight im Pokal. Mit ca. 200-250 Leuten ging es zusammen über die Weser. Hätte uns das jemand in Paderborn vor 15 Jahren mal gesagt, dass die aktive Fanszene mal dazu in der Lage ist, wir hätten ihn wohl für verrückt erklärt. Nachdem es im Stadion des Bremer SV auch noch Aperol und Weißwein aus edlen Gläsern gab, war der Tag nahezu perfekt.


In Ulm wurde das 15-jährige Bestehen unserer Freundschaft mit den Wild Boys mit einer gemeinsamen Choreo gefeiert. Es ist einfach genial, dass wir jetzt mittlerweile diesen Weg schon so lange gemeinsam gehen und die Freundschaft nun schon über Generationen hinweg besteht und bei dieser noch lange kein Ende in Sicht ist.


Und dann gab es natürlich noch ein weiteres Highlight, was unterstrich, wie sehr unsere aktive Fanszene mittlerweile gewachsen ist. Wir organisierten einen eigenen von Fans verwalteten Sonderzug nach Nürnberg. Dieses Erlebnis war ein rundum erfolgreicher Feiertag, auch, weil dieser absolut gut angenommen wurde. Unterstützt wurden wir in dem Zug mal wieder von einigen Schweizer Freunden und auch Ultras aus Brindisi.


Mit den Jungs aus Italien etablierte sich in dieser Saison auch eine Freundschaft, die langsam von der Passione auf die gesamte Szene ausgeweitet wurde. Eine Party nach einem Heimspiel des SCP, bei welcher man zu deutschen und italienischen Songs feierte und bei der ein oder anderen Fackel den Abend zelebrierte führte dann zu einem weiteren schönen Abend in der Paderborner Fan-Historie.


Sportlich setzte unsere Mannschaft sogar noch einen drauf, waren teilweise Tabellenführer und wir hatten sogar noch am letzten Spieltag in Karlsruhe die Möglichkeit direkt in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Dieses Spektakel war uns an diesen Tage leider vergönnt.


In die Serie 2025/2026 ging es mit einem neuen Trainer und trotz einiger Abgänge stand ein doch noch fast unveränderten Kader. Sportlich zeigte die Mannschaft einen wahnsinnigen Lauf mit zeitweise acht Siegen in Folge, zeitweise wieder als Spitzenreiter und liegt momentan mitten im Aufstiegsrennen.


Bisherige Highlights waren die Choreo in Düsseldorf und zuletzt der Sonderzug nach Kaiserslautern. Das Auswärtsspiel gegen Bochum war uns ja leider, aus bis heute für uns unverständlichen Gründen, vergönnt. Achja, beim Heimspiel gegen Fürth machte man sich noch mit einem Comic über deren Freund aus Lippstadt lustig.


Das nun unser 20-Jähriges Jubiläum ansteht ist natürlich unser eigenes Highlight und der absolute Höhepunkt der Saison für unser Gruppe.


Mal schauen wohin uns dieser Weg noch führt, momentan läuft vieles, sowohl in der aktiven Fanszene als auch Gruppenintern, sehr gut. Natürlich ist hier auch nicht alles Gold was glänzt. Aber dennoch können wir aktuell frohen Mutes in die Zukunft blicken.


Abschließend bleibt an dieser Stelle noch einmal Danke zu sagen, an alle die diesen Weg mit begleitet haben. Ganz egal ob aktive oder ehemalige Mitglieder, ob es im Guten oder Schlechten auseinander ging, ob Freund oder Feind, irgendwie ist dies alles Teil unseres Weges. Auch wenn dieser nicht immer rosig aussah, war es eine überwiegend wirkliche geile Zeit die noch lange nicht zu Ende ist!


Ein besondere Dank geht an unsere befreundeten Gruppen Supporters, Passione, Ambiente, Striving und den Domstädtern. Genauso gilt ein großer Dank unserer Fanbetreuung und dem Fanprojekt Paderborn, ihr macht großartige Arbeit! Und natürlich den Wild Boys aus Rapperswil, mit denen wir unseren Weg weiter Seite an Seite gehen werden. Danke euch allen!


Auf die nächsten 20!


Black Blue Fighters Paderborn im März 2026.



 
 
 

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